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Lilly-Lou lernt Farbunterscheidung - bronzenes Ei aus HM 1

Im März 2017 habe ich bei Andrea Lux und Fritz Gruber in Österreich das Hühner Modul 1 absolviert (hie geht´s zum Bericht: Chicken Camp - Hennen rennen?!). Im Chicken Camp sollten wir für das "bronzene Ei" dem Huhn beibringen, vier Farben bzw. Formen zu unterscheiden. Ich wollte herausfinden, ob ich auch meinem Shetty Lilly-Lou beibringen kann, Farben zu unterscheiden. Ob´s geklappt hat? Das erfährst Du jetzt: 


INFO

Im schönen Dornbirn (Vorarlberg) betreiben Andrea Lux und Fritz Gruber Wi:Me:Ti. Wi:Me:Ti steht dabei für Wissen: Mensch: Tier und ist ein Trainings-Campus und eine Bildungswerkstatt für innovatives und tierschutzgerechtes Tiertraining. Andrea und Fritz bieten unter der Schirmherrschaft bzw. in Kooperation mit der Tierakademie Scheuerhof die Hühner Module an.

Die Hühner Module hat übrigens der Amerikaner Bob Bailey entwickelt - Viviane Theby von der Tierakademie Scheuerhof hat sie dann nach Deutschland gebracht, Fritz und Andrea wiederum nach Österreich. Die Hühner von Andrea und Fritz sind absolut glücklich, wie Du hier sehen kannst.


Können Pferde überhaupt Farben sehen?

Die Übung zur Farbunterscheidung macht mit Pony natürlich nur dann Sinn, wenn Pferde Farben überhaupt unterscheiden können. Meine Recherchen dazu haben Folgendes ergeben: Lange Zeit war man der Ansicht, dass Pferde Farben nicht sehen können und ihre Umwelt nur schwarz-weiß wahrnehmen. Das stimmt so nicht. Mittlerweile ist man sich in wissenschaftlichen Fachkreisen weitestgehend einig, dass Pferde sehr wohl Farben sehen können, allerdings in eingeschränkterem Maße als wir Menschen. Blau und Gelb können sie wohl am Besten sehen (daher auch Geitners Dual-Prinizip in Blau-Gelb). Ob sie nun grün und rot gut sehen können oder eher als Grautöne wahrnehmen, tja, da scheiden sich die Geister. 

Jedenfalls haben mich meine Recherchen davon überzeugt, dem Selbsttest eine Chance zu geben.

Die Trainingsausstattung

Clickertraining mit Pferd, Shetty, positive Verstärkung, Nasentarget, Farbunterscheidung
Das Equipment: Clicker (um meinen Zeigefinger), Tasche, Leckerlis, Timer, Campingtisch und Blumentöpfe. Foto by Nick Verlohr

Das wichtigste Werkzeug: Der Clicker

Ich persönlich bin ein großer Fan von Finger-Clickern. Die herkömmlichen Clicker hängen ja meist am Handgelenk. Mit fällt es wesentlich leichter, wenn der Clicker direkt am Zeigefinger steckt und ich mit dem Daumen clicken kann. Hier kannst Du *Fingerclicker bestellen. Ich habe *dieses Modell.

Natürlich musst Du nicht clicken, sondern kannst auch ein Signalwort verwenden. Allerdings ist man mit dem Signalwort meist nicht so schnell wie mit dem Clicker. Gerade bei Übungen wie der Farbunterscheidung, bei der es extrem auf Schnelligkeit ankommt, würde ich lieber mit dem Clicker arbeiten. 

Die Leckerlis

Die Leckerlis sollen dem Pony schmecken, sie dürfen nicht zu groß sein (sonst ist das Pony schnell satt oder knabbert ewig an einem Stück herum) und im besten Fall sind sie auch noch gesund. Gibt´s nicht? Gibt´s doch! Es gibt sogar viele Alternativen. Von Hagebutten über Sellerie bis hin zu Heu- oder Luzerne-Cobs (die man nicht einweichen muss). Alles eine Frage des Pony-Geschmacks. Ich verwende am liebsten die *Biostickies in der Clickerversion. Da ist nämlich nur 90% Bergwiesenheu und 10% Leinkuchenschrot drin. Kein Zucker, keine Melasse - wunderbar.  Die Ponys lieben es und es sabbert auch nix in der Tasche. Mit 6 mm Durchmesser sind sie außerdem schön klein. Die Biostickies kannst Du bei der Pferdeflüsterei shoppen: *Gesunde Leckerli.

Die Leckerlitasche

Die Leckerlis müssen so verstaut sein, dass sie nicht aus der Tasche purzeln, Du sie aber super schnell griffbereit hast. Ein wichtiges Prinzip beim Clickertraining ist: Schneller, schneller, schneller! Auch wenn Du das jetzt nicht glaubst: Der Griff in die Jackentasche dauert zu lange! Ich habe mir deswegen eine Tasche mit Ein-Hand-Öffnung gegönnt. Zugegeben - nicht ganz billig, aber jeden Cent wert! So bin ich super schnell beim Leckerli aus der Tasche holen! Hier gibt´s *meine Tasche.

Der Timer

Ein AHA-Effekt im Hühner Modul 1 war für mich der Einsatz eines Timers. Ich war immer der festen Überzeugung "ach, die Zeit hat man doch im Gefühl, das muss man doch nicht mit einem Timer übertreiben". Nach dem Chicken Camp bin ich anderer Meinung und der Timer ist aus meinem Trainingsalltag nicht mehr hinweg zu denken. Bei kritischer Selbstreflexion muss ich zugeben, dass ich mit den Ponys manchmal viel zu lange trainiert habe. Natürlich bin auch ich nicht frei von Trainerehrgeiz und wenn man gerade so im "Flow" ist, macht man doch noch 5 Minuten länger, damit man auch mit einem guten Gefühl nach Hause gehen kann. Gerade die Konzentrationsübungen sind für die Ponys aber sehr anstrengend. Zwar nicht körperlich, aber für´s Pony-Köpfchen. Und hier will ich kein Pony überfordern, sondern die Pausen für mich nutzen: In den Pausen wird die Info im Pony-Hirn verfestigt. Pausen sind also nicht schlecht - ganz im Gegenteil: sie arbeiten für Dich.

Bei der Farbenübung bin ich so vorgegangen: Eine Trainingssession habe ich mit einer Minute definiert. Nach dieser Minute habe ich ein bis zwei Minuten Pause gemacht. Pause heißt: Wir sind ruhig im Reitplatz flaniert. 

Ich verwende einen extra Timer. Auch darauf hat mich das Hühner Modul gebracht. Klar - jedes Handy kann als Timer verwendet werden. Aber in meinen Taschen krümelt es und irgendwie ist auch überall ein wenig Sand. Außerdem finde ich den Touchscreen im Winter sehr unpraktisch: Wenn ich Handschuhe trage wird die Angelegenheit nämlich richtig doof. Mit einem Timer sind alle Probleme gelöst: Er ist robust, absolut idiotensicher mit drei Tasten zu bedienen und ich kann ihn mir an die Hosentasche klippsen. Prima!

Meinen Timer kannst Du *hier kaufen. Er hat ein super großes Display. Man sieht die Zeit also locki-flocki mit einem Blick auf die Hosentasche und muss ihn nicht extra abmachen.

Der Campingtisch

Ich bin oft alleine im Stall und habe keine Hilfsperson zur Hand, die mir meine Farbtöpfchen verschieben könnte. Um die Töpfe schnell verschieben zu können, möchte ich sie nicht auf den Boden stellen. Du weißt schon, Rücken und so ;-) Der Geschwindigkeit wegen wollte ich die Töpfe auf eine Ablage stellen, die so hoch ist, dass ich die Töpfe bequem platzieren und  Lilly-Lou sie problemlos anschubsen kann. Platzsparend sollte die Ablage auch sein - das ganze Trainingsequipment nimmt schon genug Platz in der Sattelkammer weg. Ergo: Ein kleiner, klappbarer Campingtisch sollte es sein. (Leider gab der Hausstand so etwas nicht her). Natürlich nicht zu teuer. Gestoßen bin ich auf *dieses kleine, kostengünstige Raumwunder.

Der Campingtisch ist für meine Zwecke bestens geeignet, allerdings darf man für diesen Preis sicherlich keine Qualität erwarten, die die Ablage von 100 Kilo Zementblöcken aushält. In der ersten Session habe ich dem Pony also beigebracht, ruhig an den Tisch heran und auch wieder zurückzutreten. Ohne wild dagegen zu rempeln. Die ordentlichen Tischmanieren waren innerhalb der ersten Session sofort trainiert. 

Die Blumentöpfe

Yeah! Diesmal hatte ich tatsächlich etwas in meinem Fundus, das ich prima verwenden konnte: bunte Blech-Blumentöpfe, die ich vor Jahren bei Tchibo erstanden hatte. Leider habe ich sie nur in drei Farben, also gibt es vorerst die Farbunterscheidung auch "nur" mit - welch ein Glück - : gelb, blau und pink.

Clickern mit Pferd, Shetty, positive Verstärkung, Nasentarget, Farbunterscheidung
Hier sieht man auf dem Display, dass die Session gerade begonnen hat. Die Tasche lässt sich locki-flocki mit einer Hand öffnen. Das erleichtert das Training! Foto by Nick Verlohr

Und hat´s geklappt?

Aber hallo! Und wie! Sieh selbst, wie Lilly gelernt hat, GELB anzuzeigen (Video by Nick Verlohr):


Wie bringt man das dem Pony bei?!

Durch konsequente Anwendung der Clicker-Prinzipien. Eine genaue Beschreibung wäre viel zu ausführlich für den Blog. Deswegen verweise ich an dieser Stelle nochmal auf meinen Bericht zum Chicken Camp, indem ich die Prinzipien dargestellt habe.

Übrigens war der Ablauf so: 

1. Session: Tischmanieren

2. Session: gelben Topf schubsen

3. Session: gelben Topf schubsen, wobei  der Topf jetzt auf dem Tisch bewegt wird

4.-7. Session: Alle drei Töpfe stehen auf dem Tisch

8. Session: Geschafft! Pony schubst zuverlässig eine Minute lang den gelben Topf - egal an welcher Position er steht. 

Du siehst: Innerhalb von acht Trainingsminuten hatte ich das gewünschte Ergebnis. Lilly-Lou konnte aber schon vorher gesittet von einem Gegenstand zurücktreten (in diesem Fall vom Tisch) und Dinge schubsen - wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man diese Zwischenschritte noch trainieren müssen. 

Ohne das Hühner Modul hätte ich diese Übung sicherlich nicht oder zumindest nicht so schnell trainieren können. Deswegen nochmal der Appell: Training ist ein Handwerk, das man lernen kann! Steck nicht den Sand in den Kopf, wenn etwas nicht funktioniert. Hol Dir lieber Hilfe und bilde Dich fort: JEDER kann trainieren lernen!  


INFO

Die Begriffe sind für Dich böhmische Dörfer?! Kein Problem: Hier habe ich für Dich ein paar tolle Lesetipps rund um das Thema positive Verstärkung!


Und was bringt das jetzt?!

Muss ein Pony Farben unterscheiden können? Nun ja, sicherlich nicht. Dein Pony wird auch ein glückliches Leben haben, wenn es diese Übung nicht beherrscht. Darum geht es aber gar nicht. Es geht vielmehr darum, Dir zu zeigen, dass Trainingsgrenzen oft nur im Kopf bestehen. Hättest Du mich vor einem Jahr gefragt, ob man einem Pferd diese Übung beibringen kann, hätte ich süffisant lächelnd verneint. Wie soll das auch funktionieren?! Und siehe da. Nun habe ich Lilly-Lou innerhalb wirklich kurzer Zeit beigebracht, mir den gelben Topf zu zeigen. Wenn wir uns von diesen selbst gesetzten Grenzen freimachen, wird auf einmal vieles möglich. Auch die Farbunterscheidung beim Pony. Und ich habe noch viele, viele Ideen, die mir auf einmal gar nicht mehr so unmöglich erscheinen.

Davon abgesehen ist die Übung natürlich auch gut für extrem heiße Tage, körperlich eingeschränkte Pferde, Pferde mit Konzentrationsproblemen oder Schlecht-Wetter-Perioden, weil sie das Pferdeköpfchen ganz schön auf Trab bringen! 

Clickern mit Pferd, Shetty, positive Verstärkung, Nasentarget, Unterscheidungsaufgabe
Die nächste Aufgabe ist schon in Arbeit! Diesmal mit vier Farben. Gefordert wird natürlich NICHT gelb - das wäre ja zu einfach ;-) Foto by Nick Verlohr

In diesem Sinne: Be shettylicious! Ruth vom Team Shetty-Sport

TAGS: Training Clickern 


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Kommentare: 2
  • #1

    Miriam (Mittwoch, 10 Mai 2017 11:58)

    Oh was für eine tolle Idee für unsere gehandicapte Stute :)

  • #2

    Team Shetty-Sport (Donnerstag, 11 Mai 2017 14:15)

    Hallo Miriam, für gehandicapte Pferde ist das wirklich eine tolle Übung! Die Konzentration wird ganz schön gefordert und die Pony-Köpfchen fangen an zu rauchen ;-)

    Viele Grüße! Ruth vom Team Shetty-Sport