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Das Bautagebuch: Winter im Offenstall

So wie sich der Winter als Vorbote eines katastrophenreichen Schicksals bei Game of Thrones ankündigt, sind die fallenden Blätter und der aufziehende Nebel ein untrügliches Vorzeichen für EKELWETTER im Offenstall.  


INFO

Es freut uns wirklich sehr, dass sich so viele Menschen für unser Stallprojekt interessieren. Aber bitte seht davon ab, uns nach Einsteller-Plätzen zu fragen. In unserem Stall wohnen ausschließlich unsere eigenen Therapieponys. Wir werden keine Einsteller aufnehmen. Danke für Euer Verständnis!


Winter im Offenstall - Pferdehaltung
Winter is coming! Das bedeutet für Selbstversorger im Offenstall häufig nichts Gutes.

Bleibt die Frage, wie man die kalte, eklige Jahreszeit als Selbstversorger am besten übersteht. Für mich persönlich gibt es drei ausschlaggebende Faktoren, die das Leben im Offenstall auch im Winter angenehm machen:


INFO

Pferdetraining im Winter

Der Winter hat natürlich nicht nur Einfluss auf die Arbeitsorganisation im Offenstall - auch beim Pferdetraining machen uns die finsteren und kalten Tage das Leben zuweilen schwer. 

 

Wir lassen uns die Laune trotzdem nicht verderben! Wie Du trotz Ekelwetter sinnvoll und mit viel Spaß trainierst (auch wenn Du keine Halle zur Verfügung hast), erfährst Du im Blobeitrag Tipps für die kalte Jahreszeit


1. Turn the lights on - Es werde Licht!

B wie Beleuchtung.

Spätestens nach der Umstellung auf die Winterzeit (wer zum Henker hat sich eigentlich diesen Blödsinn einfallen lassen?????)  wird jedem auch noch so optimistischen Selbstversorger klar: ein paar dunkle und ungemütliche Monate rollen unaufhaltsam auf uns zu. Für uns Vollzeit-Arbeitende bedeutet das: Die Ponys müssen bei Dunkelheit versorgt werden. 

Gut, es ist natürlich unschön, dass man das gemütliche Zuhause bei Dunkelheit verlässt und bei eben solcher Dunkelheit nach getaner Arbeit in´s traute Heim zurückkehrt. Dennoch kann man der Finsternis ein Schnippchen schlagen - mit ausreichender Beleuchtung. 

Alle Schwedenhäuschen sind mit Licht ausgestattet -  damit wird das Abäppeln quasi erleuchtet.  Auch die Lagerhalle ist voll beleuchtet - ich muss also nicht im Dunkeln Heunetze stopfen. Einzig der Paddock Trail muss ohne Licht auskommen - da der Trail aber über Nacht geschlossen wird und die Ponys ihre Nächte in den offenen Schwedenhäuschen und dem dazugehörigen Paddock verbringen, ist das halb so wild. 

Stallbau mit Skandwood
Auch bei Dunkelheit voll erleuchtbar: Unsere Schwedenhäuschen in little Bullerbü.

Eine wahrlich einleuchtende Ausstattung ist nun endlich in Betrieb: Die Reitplatzbeleuchtung! In jeder Ecke des Reitplatzes sind Flutlichtmasten montiert. So können die Flutlichter herrlich in jede Ecke des Reitplatzes strahlen und wir auch im Dunkeln trainieren. Das ist wunderbar!

Reitplatzbeleuchtung Flutlichtanlage
In jeder Ecke des Reitplatzes ist so eine Lampe installiert - damit wird es auch bei Nacht taghell.

2. Kampf dem Matsch - Bodenbefestigung!

B wie Befestigung

Es regnet, regnet und regnet diese Tage. Streckenweise kann ich gar nicht mehr daran glauben, dass es auch noch anderes Wetter gibt. Wie sieht es eigentlich an der Matsch-Front aus? Jeder Pferdebesitzer kennt das Phänomen: Was im Sommer herrlich aussieht, wird bei nasskaltem Wetter schnell zur Sumpflandschaft. Wir haben uns ganz bewusst für befestigte und unbefestigte Bereiche entschieden - mit unterschiedlichen Untergründen wollen wir die ursprüngliche Lebensumgebung der Ponys nachahmen. Wo befestigt ist, schwimmt natürlich nichts. Befestigt haben wir den Großteil der Laufwege und die Stellen rund um die Fressplätze, weil die Pferde hier sehr häufig laufen bzw. stehen.

Paddockbefestigung
Eine Befestigung macht durchaus Sinn - vorallem an hoch frequentierten Stellen.

Etwas anders sieht es dort aus, wo lediglich mit Hackschnitzeln gearbeitet wurde. Auf der großen Liegefläche im hinteren Bereich des Trails ist nach wie vor alles in bester, trockener Ordnung. Doch auf dem Paddock vor den Schwedenhäuschen merkt man einen deutlichen Unterschied. Hier stehen die Ponys sehr oft und äppeln auch gerne ab. Zudem liegt das Gefälle anders als auf der hinteren Liegefläche. 

Es hat sich zwar noch keine Sumpflandschaft gebildet, aber man merkt deutlich, dass der Hackschnitzelbelag an dieser Stelle nicht ideal ist. Hier werden wir im Frühjahr nachbessern. Um es aber ganz deutlich zu sagen: So, oder so - wer mit Hackschnitzeln arbeitet, muss sich darüber bewusst sein, dass es sich um  verrotendes Material handelt. Über kurz oder lang müssen Hackschnitzel immer ausgetauscht bzw. aufgefüllt werden.

Hier findest Du einen Blogbeitrag von Karolina, die einen kurzen Überblick gibt, welche Optionen es für die Paddockbefestigung gibt. 


INFO

*Matsch-Buch für Pferdehalter
*Matsch-Buch für Pferdehalter

 

Für alle, die ernsthafte Matsch-Probleme auf ihrem Paddock oder sonstwo im Stall haben, kann ich dieses Buch empfehlen:

 

*Tanja Romanazzi: Das Matsch-Buch für Pferdehalte - Paddocks und Laufwege erfolgreich befestigen.

 

Die Autorin gibt hilfreiche Tipps, wie man das matschige Problem mit mehr oder weniger Aufwand in den Griff bekommen kann. 

Das Buch ist schön bebildert und stellt verschiedene Befestigungsvarianten ausführlich vor. Hier findet man wirklich zahlreiche Vorschläge, um den eigenen Boden in den Griff zu bekommen!


Trotz ein wenig Nachbesserungsbedarfs muss ich sagen: Auch die unbefestigten Stellen - gerade der Liegebereich - halten sich erstaunlich gut! Bisher brauchte ich noch keine Gummistiefel - und das ist ja schon mal was. 

3. Somebody bring me some water - beheizte Tränken!

B wie Beheizung

...laalaaalaaaaa. Der Herbst ist da, das bedeutet: Winter is coming! Und mit dem Winter: Frost! Damit unsere Ponys trotz Minusgraden mit Wasser versorgt werden, wurden Rohrbegleitheizungen und vier beheizte Selbsttränken installiert. 

Vier Tränken für fünf Pferde? Ist das nicht ein bisschen viel im Offenstall? Zugegeben - zwei Tränken hätten es theoretisch auch getan. Dennoch haben wir uns dafür entschieden, in jeden Schwedenhäuschen-Block zwei Tränken zu installieren. Warum? Weil wir so für alle Eventualitäten vorgesorgt haben:

Beheizte Tränkbecken
Rony-Pony kann auch bei eisigen Minusgrade ihren Durst stillen - dank Rohrbegleitheizung und beheizbaren Selbsttränken.

Der dreier bzw. zweier Block hat drei bzw. zwei Ausgänge. So gehen wir sicher, dass wirklich jedes Pferd trinken kann, ohne dass eine andere Lady die einzige Wasserquelle blockiert. Außerdem können wir durch mobile Boxenwände jeweils eine Box abtrennen - sollte es einmal zum Krankheitsfall kommen. Hier war es uns wichtig, dass der Patient ebenfalls mit einer Selbsttränke versorgt ist und nicht mit Wassereimern hantiert werden muss.

Rohrbegleitheizung und beheizte Selbsttränken garantieren uns also einen frostfreien Wasser-Winter!

Zusammengefasst: Die drei großen Bs!

Mich stört das Ekelwetter überhaupt nicht - zumindest was die Arbeitsabläufe im Stall angeht. Denn für die Arbeitsorganisation macht es mit den drei großen Bs keinen Unterschied, ob es Sommer oder Winter ist. Und beim Training beherzige ich einfach meine Gute-Laune-Tipps. (Natürlich hätte ich - zugegeben - manchmal trotzdem lieber mehr Sonnenschein und eine Pina Colada bei 25 Grad).

Selbstversorger - Winter im Offenstall
Mit den drei großen Bs wird der Winter im Offenstall ein Klacks!

Nun ist mir durchaus bewusst, dass wir in einer sehr privilegierten Situation sind. Man muss dabei berücksichtigen, dass es sich um Yvonnes Therapiestall und keinen Stall zum reinen Privatvergnügen handelt. Schließlich hält Yvonne hier Therapieeinheiten ab - insofern sind natürlich andere Anforderungen als an einen "Freizeitstall" zu stellen. 

Ich habe es schon einmal gesagt, möchte es aber gerne nochmal betonen: Beleuchtung, Befestigung, Beheizung. Die drei großen Bs im Offenstaller-Leben kosten Geld. Wer sich einen Einstellerplatz im Offenstall suchen möchte (bei uns definitiv nicht möglich) sollte das bei seinen Preisvorstellungen berücksichtigen. Wer das komplette Luxus-Winter-Paket möchte, d.h. ausgeleuchtete, trockene Wege für Pferd und Mensch sowie ein beheiztes Wasserversorgungssystem ohne Kanisterschleppen, der wird dafür deutlich mehr bezahlen müssen als für einen Platz in einfacher gehaltenen Ställen. 

Dem Pferd ist es letztlich wumpe, ob die Tränken beheizt sind - Hauptsache die Wasserversorgung ist gesichert. Pony-Pö ist es auch herzlich egal, ob Du Dir eine Stirnlampe auf den Kopf setzen musst, um ausmisten zu können. Und wenn es genügend trockene Plätze gibt oder der Boden von Natur aus "fest" ist, kümmert es unsere Flauschekugel eben so wenig, wenn keine Quadratkilometer Paddockplatten verlegt wurden. Womöglich findet es Dein Pferd sogar besser, wenn es keinen Reitplatz gibt - gemütlich abchillen oder auf illustren Wegen in´s Gelände reiten ist schließlich auch nicht schlecht.

Was ich damit sagen will: Ein Pferd fühlt sich sicherlich auch in einem Offenstall wohl, der gewisse Annehmlichkeiten nicht aufweisen kann. Wenn Du selbst aber auf diese Annehmlichkeiten bestehst - was ich sehr gut nachvollziehen kann - , dann muss Dir ein gewisser monetärer Mehraufwand egal sein. 

Warum ich das schreibe, obwohl wir keine Einstellerplätze anbieten? Weil mir die weit verbreitete Einstellung, einen Offenstallplatz müsse man für "lau" bekommen, richtig auf den Wecker geht. Ich bin der festen Überzeugung, dass hier ein Umdenken einsetzen muss. Wer selbst nicht auf Luxus verzichten kann oder will, muss eben tiefer in die Tasche greifen. Denn ein entsprechender Offenstall kostet in Bau und Unterhalt eben Geld. Viel Geld. Und solange diese Tatsache nicht akzeptiert wird, haben es Einstellerbetriebe, die auf eine artgerechte Haltung achten und zudem gewisse Annehmlichkeiten bieten, sehr schwer. Das ist wiederum für alle Pferde schlecht.

An alle Selbstversorger (und Einsteller) da draußen, die Ihr ohne Strom, Wasseranschluss, Paddockbefestigung und andere Annehmlichkeiten auskommt: Ich bewundere Euch! 

Für all die Stunden, die Ihr damit verbringt, Euren Ponys und Pferden ein artgerechtes Leben im Offenstall zu ermöglichen. Für die Opfer, die Ihr bringt - die fast abgefrorenen Zehen, den Muskelkater vom Wasserschleppen, die zahlreichen Besuche, um sicherzustellen, dass das Wasser nicht eingefroren ist. Ihr seid großartig! 

Denn eines darfst Du nie vergessen: 

Offenstallpferd artgerechte Haltung

 

In diesem Sinne

Be shettylicious! Ruth vom Team Shetty-Sport.